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Plattformarbeit in Deutschland

 

Hintergrund und Studiendesign

Kantar hat im Auftrag der Bertelsmann Stiftung eine Studie zum Thema Plattformarbeit in Deutschland durchgeführt. Die Studie liefert Antworten auf die zentralen Fragen in diesem Beschäftigungsbereich: Wie geht es Plattformarbeitern in Deutschland wirklich? Was halten sie von ihrer Tätigkeit und von der Digitalisierung? Insgesamt wurden rund 700 Cloud- und Gig-Worker sowie neun Experten befragt. Die Ergebnisse der repräsentativen Studie werfen gewohnte Bilder über den Haufen. Klare Botschaften an Politik, Institutionen der Tarifpartner und Plattform-Betreiber gibt es auch.

Für die Erhebung des aktuellen Standes der Plattformarbeit in Deutschland war es wichtig, eine solide Ausgangsbasis für die geplante Phase der Datenerhebung zu haben. Die unterschiedlichen Ebenen, auf denen aktuell über Plattformarbeit diskutiert wird, sollten sich zum einen in den Ergebnissen wiederfinden und sie sollten sich bestenfalls ergänzen, wenn nicht sogar aufeinander aufbauen. Das Studiendesign bestand deshalb aus einem mehrstufigen Lösungsansatz und unterteilte sich in insgesamt vier aufeinander aufbauende Studienphasen:

Zwei zentrale Ergebnisse

Die vorliegende Studie hat zu zwei wichtigen Erkenntnisse geführt:

  1. Plattformarbeit wird vom Großteil der dort auf diese Weise Tätigen sehr geschätzt wegen ihrer Flexibilität und der Möglichkeit zur freien Arbeitsgestaltung.
  2. Zugleich kritisiert eine deutliche Mehrheit der Plattformarbeiter stark die fehlende soziale Absicherung (Krankheit, Alter, Berufsunfähigkeit).

Innerhalb dieses Ergebnisraums ist es demnach an der Politik, den Tarifpartnern und den Interessenvertretern der Plattformarbeit, einen entsprechenden Regulierungsrahmen zu schaffen. Er sollte die genannten Vorteile dieser Form des Arbeitens aber keinesfalls konterkarieren.

Cloud- und Gig-Worker: Digital affin und an neuen Trends interessiert

Generell sind Plattformarbeiter (verstanden hauptsächlich als Cloud- und Gig-Worker) gegenüber der Digitalisierung der Arbeit deutlich offener eingestellt als der Durchschnitt der Berufstätigen (67 Prozent gegenüber 38 Prozent sehen Chancen) und stärker an den neusten Trends interessiert (68 Prozent gegenüber 34 Prozent). Besonders auffällig ist dies bei der Einschätzung mobiler Arbeit zum Zweck der Zeitersparnis und Effizienzsteigerung: 64 Prozent der Plattformarbeiter sehen diesen Zusammenhang, aber nur 24 Prozent aller Beschäftigten.

Weitere Daten weisen auf überraschende Ergebnisse hin:

Experten: Plattformarbeit hat viele Vorteile

Weitere Vorteile der Plattformarbeit, die speziell im offenen Interview von den Experten genannt wurden, sind:

Nachteile bei sozialer Absicherung und Schutzrechten:

Wo Risiken lauern

Weiterhin wiesen die Experten, die unabhängig von den 700 Plattformarbeitern befragt wurden, auf folgende Risiken hin:

59 Prozent der Plattformarbeiter sind „sehr“ oder „eher“ zufrieden

In Summe sind 59 Prozent der Plattformarbeiter „sehr“ oder „eher“ zufrieden mit dieser Form der Arbeit; nur acht Prozent sind nicht zufrieden. Plattformarbeiter wünschen sich vor allem eine bessere soziale Absicherung, die Regulierung des Preiswettbewerbs durch Festlegung von Mindestzahlungen, die Schaffung einer Interessenvertretung und eine Art TÜV, der die Behandlung der Plattformarbeiter durch die Betreiber der Plattform überwacht.

Vorschlag: eine TÜV-ähnliche Kontrollinstanz einrichten

Die in Tiefeninterviews befragten Experten aus den Unternehmen schlagen vor,

Politik und traditionelle Institutionen der Tarifpartner sollten neue Wege einschlagen

Die Experten legen besonderen Wert auf folgende Feststellung: Politik und traditionelle Institutionen der Tarifpartner müssen diese neue Gruppe der Plattformarbeiter in ihre Reformüberlegungen einbeziehen. Damit weisen die Vorschläge der Experten letztlich in eine Richtung der politischen Gestaltung, die aus den gewohnten Pfaden der Politikentwicklung und der Diskussion ausbricht und neue Wege einschlägt. So wäre es beispielsweise sehr hilfreich, wenn „hybrid Arbeitende“ als neue Gruppe der Erwerbstätigen in den Mikrozensus mit aufgenommen würden.

Hybride Arbeit kommt dem Wunsch nach mehr Flexibilität und Freiheit entgegen

Plattformarbeit in Deutschland ist damit insgesamt eindeutig nicht durch prekär arbeitende Menschen geprägt. Vielmehr bringt dieser Arbeitsbereich viele Chancen und Risiken zugleich für den Einzelnen mit sich. Plattformen, sei es Airbnb, Amazon Mechanical Turk oder Freelancer.com bieten Menschen zunehmend eine Chance, hybrid zu arbeiten und damit Interessen und eigene Vorstellungen von Arbeitszeitgestaltung und Einkommenserwerb umzusetzen. Diese mögen den traditionellen Arbeitsmarkt-Teilnehmern vielleicht fremd erscheinen. Sie kommen aber dem Wunsch nach Flexibilität und Freiheit dieser Menschen entgegen. Zugleich müssen diese Plattformen Verantwortung übernehmen, indem sie die Menschen, die auf ihren Plattformen arbeiten, an der Weiterentwicklung sozialer Schutzmechanismen beteiligen.

 
 

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