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Presseinformation

 

07.05.2019  -  Berlin

Plattformarbeit: frei und flexibel, aber ohne soziale Absicherung

Studie der Bertelsmann Stiftung enthält klare Botschaften an Politik, Institutionen der Tarifpartner und Plattform-Betreiber

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Die Bertelsmann-Stiftung stellte heute auf der Konferenz re:publica19 mit Björn Böhning, Staatssekretär im Bundesministerium für Arbeit und Soziales, Carlos Frischmuth, Bundesverband für selbständige Wissensarbeit e.V., und Britta Redmann, Expertin für Arbeitsrecht, ihre Studie „Plattformarbeit in Deutschland“ vor. Die von Kantar durchgeführte Studie liefert Antworten auf die zentralen Fragen in diesem Beschäftigungsbereich: Wie geht es Plattformarbeitern in Deutschland wirklich? Was halten sie von ihrer Tätigkeit und von der Digitali­sierung? Insgesamt wurden rund 700 Cloud- und Gig-Worker sowie neun Experten befragt. Die Ergebnisse der repräsentativen Studie werfen gewohnte Bilder über den Haufen. Klare Botschaften an Politik, Institutionen der Tarifpartner und Plattform-Betreiber gibt es auch.

Vorherrschende Annahmen einem „Realitätscheck“ unterzogen 
Die Diskussion über sogenannte Plattformarbeit ist in Deutschland sehr stark von Annahmen und Bildern bestimmt, die auf klassische Kategorien zurückgreifen wie "Arbeitnehmer", "Arbeitgeber", "abhängige Tätigkeit", "Schein­selbstständigkeit", "Solo-Selbständigkeit" und "prekäre Arbeit". Zugleich werden Cloud-, Click-, Crowd- oder auch Gig-Work gern als Synonym für eine digital dynamisierte Turbo-Marktwirtschaft und eine extrem verdichtete digitale Arbeitsweise betrachtet. Gerade in Zeiten fehlender sozialer Absicherung auf einem globalisierten Arbeitsmarkt im Netz kommt es aber darauf an, dieses Bild mit der Realität abzugleichen und zugleich empirisch zu unterfüttern.

Zwei zentrale Erkenntnisse
Die vorliegende Studie hat zu zwei wichtigen Erkenntnisse geführt:

1. Plattformarbeit wird vom Großteil der dort auf diese Weise Tätigen sehr geschätzt wegen ihrer Flexibilität und der Möglichkeit zur freien Arbeitsgestaltung.
2. Zugleich kritisiert eine deutliche Mehrheit der Plattformarbeiter stark die fehlende soziale Absicherung (Krankheit, Alter, Berufsunfähigkeit).

Innerhalb dieses Ergebnisraums ist es demnach an der Politik, den Tarifpartnern und den Interessenvertretern der Plattformarbeit, einen entsprechenden Regulierungsrahmen zu schaffen. Er sollte die genannten Vorteile dieser Form des Arbeitens aber keinesfalls konterkarieren.

Cloud- und Gig-Worker: Digital affin und an neuen Trends interessiert
Generell sind Plattformarbeiter (verstanden hauptsächlich als Cloud- und Gig-Worker) gegenüber der Digitali­sierung der Arbeit deutlich offener eingestellt als der Durchschnitt der Berufstätigen (67 Prozent gegenüber 38 Prozent sehen Chancen) und stärker an den neusten Trends interessiert (68 Prozent gegenüber 34 Prozent). Besonders auffällig ist dies bei der Einschätzung mobiler Arbeit zum Zweck der Zeitersparnis und Effizienz­steigerung: 64 Prozent der Plattformarbeiter sehen diesen Zusammenhang, aber nur 24 Prozent aller Beschäftigten.

Weitere Daten weisen auf überraschende Ergebnisse hin:

Experten: Plattformarbeit hat viele Vorteile
Weitere Vorteile der Plattformarbeit, die speziell im offenen Interview von den Experten genannt wurden, sind:

Nachteile bei sozialer Absicherung und Schutzrechten:

Wo Risiken lauern
Weiterhin wiesen die Experten, die unabhängig von den 700 Plattformarbeitern befragt wurden, auf folgende Risiken hin:

59 Prozent der Plattformarbeiter sind „sehr“ oder „eher“ zufrieden
In Summe sind 59 Prozent der Plattformarbeiter „sehr“ oder „eher“ zufrieden mit dieser Form der Arbeit; nur acht Prozent sind nicht zufrieden. Plattformarbeiter wünschen sich vor allem eine bessere soziale Absicherung, die Regulierung des Preiswettbewerbs durch Festlegung von Mindestzahlungen, die Schaffung einer Interessen­vertretung und eine Art TÜV, der die Behandlung der Plattformarbeiter durch die Betreiber der Plattform überwacht.

Vorschlag: eine TÜV-ähnliche Kontrollinstanz einrichten
Die in Tiefeninterviews befragten Experten aus den Unternehmen schlagen vor,

Politik und traditionelle Institutionen der Tarifpartner sollten neue Wege einschlagen
Die Experten legen besonderen Wert auf folgende Feststellung: Politik und traditionelle Institutionen der Tarifpartner müssen diese neue Gruppe der Plattformarbeiter in ihre Reformüberlegungen einbeziehen. Damit weisen die Vorschläge der Experten letztlich in eine Richtung der politischen Gestaltung, die aus den gewohnten Pfaden der Politikentwicklung und der Diskussion ausbricht und neue Wege einschlägt. So wäre es beispielsweise sehr hilfreich, wenn „hybrid Arbeitende“ als neue Gruppe der Erwerbstätigen in den Mikrozensus mit aufgenommen würden.

Hybride Arbeit kommt dem Wunsch nach mehr Flexibilität und Freiheit entgegen
Plattformarbeit in Deutschland ist damit insgesamt eindeutig nicht durch prekär arbeitende Menschen geprägt. Vielmehr bringt dieser Arbeitsbereich viele Chancen und Risiken zugleich für den Einzelnen mit sich. Plattformen, sei es Airbnb, Amazon Mechanical Turk oder Freelancer.com bieten Menschen zunehmend eine Chance, hybrid zu arbeiten und damit Interessen und eigene Vorstellungen von Arbeitszeitgestaltung und Einkommenserwerb umzusetzen. Diese mögen den traditionellen Arbeitsmarkt-Teilnehmern vielleicht fremd erscheinen. Sie kommen aber dem Wunsch nach Flexibilität und Freiheit dieser Menschen entgegen. Zugleich müssen diese Plattformen Verantwortung übernehmen, indem sie die Menschen, die auf ihren Plattformen arbeiten, an der Weiterentwicklung sozialer Schutzmechanismen beteiligen.


Über die Studie
Hintergrund und Zielsetzung der Studie ist die Erfassung bzw. Messung des aktuellen Stands von Plattformarbeit in Deutschland, sowohl aus Sicht der Betroffenen selbst wie auch von Experten und daraus folgend die Ableitung möglicher Impulse für Politik, Wirtschaft und Gesellschaft. Nach der Durchführung von neun telefonischen Experteninterviews wurden insgesamt 710 Plattformarbeiter (Cloud- und Gigworker) online befragt. Im Anschluss wurden die Ergebnisse im Rahmen eines Experten-Workshops diskutiert und in die aktuelle Fachdiskussion eingeordnet.

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